Das Fischereikonfliktspiel ist ein psychologisches Simulationsspiel, das an der Universität Freiburg von Prof. Dr. Hans Spada und Kollegen entwickelt wurde. Es basiert auf dem Konzept der ökologisch-sozialen Dilemmata und ermöglicht es, die komplexen Wechselwirkungen zwischen individuellem Verhalten und kollektiven Konsequenzen in einer sicheren Lernumgebung zu erleben.
Diese digitale Version überführt das klassische Brettspiel in eine moderne, webbasierte Multiplayer-Anwendung mit 3D-Visualisierung und KI-Unterstützung.
„Eine liebende Gemeinde wollte ihrem verehrten Herrn Pfarrer ein Fässchen Wein stiften. Jeder sollte einen Krug seines besten Weines dazu beisteuern und tat es auch. Bald war das Faß voll. Am Tage der feierlichen Übergabe schickte sich der Bürgermeister an, dem hohen Herrn das erste Gläschen daraus zu kredenzen. Wie auf der biblischen Hochzeit zu Kana, wo aus den Wasserkrügen vorzüglicher Wein geschöpft wurde, kam hier – nur umgekehrt – aus dem Weinfaß lupenreines Wasser..."
Diese Parabel illustriert das Kernproblem sozialer Dilemmata: Jedes Gemeindemitglied dachte, es könne unbemerkt Wasser statt Wein beisteuern. Doch als alle so dachten, war das Ergebnis für alle enttäuschend. Der Nutzen der „Schummelei" kam dem Einzelnen zugute, der Schaden aber traf alle.
Sie schlüpfen in die Rolle eines von drei Fischern an einem Voralpensee. Ihre Lebensgrundlage ist der Fischfang – je mehr Sie fangen, desto mehr verdienen Sie.
In jeder Runde (= Fangsaison) entscheiden Sie, wie viel Prozent des aktuellen Fischbestands Sie fangen möchten.
Nach jeder Fangsaison vermehren sich die Fische – aber nicht linear! Die Wachstumsrate hängt vom verbleibenden Bestand ab:
Optimaler Bereich
98-100 Tonnen Restbestand
≈ +42 Tonnen Zuwachs
Hoher Bestand
130+ Tonnen
Geringer Zuwachs
Kritischer Bestand
Unter 10 Tonnen
Aussterberisiko!
Das Fischereikonfliktspiel konfrontiert Sie mit einem ökologisch-sozialen Dilemma – einer Situation, in der individuell vernünftig erscheinendes Verhalten zu kollektiv schädlichen Ergebnissen führt. Zwei „Fallen" wirken dabei zusammen:
Der Gewinn aus dem Fischfang kommt Ihnen persönlich zugute. Der Schaden durch Überfischung wird jedoch auf alle Fischer verteilt.
„Was kümmert mich, wenn der See weniger Fische hat? Ich habe meinen Gewinn bereits eingestrichen."
Der Nutzen des Fischfangs ist sofort sichtbar. Die negativen Konsequenzen der Überfischung zeigen sich erst in der Zukunft.
„Warum sollte ich heute verzichten, wenn der Schaden erst morgen eintritt? Vielleicht finde ich bis dahin eine Lösung."
Das Fischereikonfliktspiel verfolgt drei zentrale Lernziele:
Die formalen Strukturen von Dilemmata verstehen und in realen Situationen wiedererkennen können.
Die psychologischen Prozesse kennen, die zu problematischem Verhalten in Dilemmasituationen führen.
Verschiedene Lösungsansätze kennen und ihre Anwendbarkeit kritisch einschätzen können.
Diese Anwendung basiert auf dem Buch und den Forschungsarbeiten von:
Ernst, A. (1997). Ökologisch-soziale Dilemmata. Psychologische Wirkmechanismen des Umweltverhaltens.
Weinheim: Psychologie Verlags Union. (Reihe: Umweltpsychologie in Forschung und Praxis)
Das ursprüngliche Fischereikonfliktspiel wurde entwickelt von:
Spada, H. & Opwis, K. (1985). Die Allmende-Klemme: Ein umweltpsychologisches soziales Dilemma.
Forschungsbericht Nr. 22. Freiburg: Psychologisches Institut der Universität.
Diese digitale Adaption wurde für Lehrzwecke entwickelt und nutzt moderne Webtechnologien (ASP.NET Blazor, Three.js, SignalR) sowie KI-Unterstützung (OpenRouter).
Starten Sie jetzt ein Spiel und finden Sie heraus, ob Sie und Ihre Mitspieler den Fischbestand nachhaltig bewirtschaften können.