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Über das Fischereikonfliktspiel

Ein interaktives Lernspiel über ökologisch-soziale Dilemmata
infoWas ist das Fischereikonfliktspiel?

Das Fischereikonfliktspiel ist ein psychologisches Simulationsspiel, das an der Universität Freiburg von Prof. Dr. Hans Spada und Kollegen entwickelt wurde. Es basiert auf dem Konzept der ökologisch-sozialen Dilemmata und ermöglicht es, die komplexen Wechselwirkungen zwischen individuellem Verhalten und kollektiven Konsequenzen in einer sicheren Lernumgebung zu erleben.

Diese digitale Version überführt das klassische Brettspiel in eine moderne, webbasierte Multiplayer-Anwendung mit 3D-Visualisierung und KI-Unterstützung.

auto_storiesDie Parabel vom Wein und Wasser

„Eine liebende Gemeinde wollte ihrem verehrten Herrn Pfarrer ein Fässchen Wein stiften. Jeder sollte einen Krug seines besten Weines dazu beisteuern und tat es auch. Bald war das Faß voll. Am Tage der feierlichen Übergabe schickte sich der Bürgermeister an, dem hohen Herrn das erste Gläschen daraus zu kredenzen. Wie auf der biblischen Hochzeit zu Kana, wo aus den Wasserkrügen vorzüglicher Wein geschöpft wurde, kam hier – nur umgekehrt – aus dem Weinfaß lupenreines Wasser..."

Diese Parabel illustriert das Kernproblem sozialer Dilemmata: Jedes Gemeindemitglied dachte, es könne unbemerkt Wasser statt Wein beisteuern. Doch als alle so dachten, war das Ergebnis für alle enttäuschend. Der Nutzen der „Schummelei" kam dem Einzelnen zugute, der Schaden aber traf alle.

sports_esportsDas Spielprinzip
groupsDie Ausgangssituation

Sie schlüpfen in die Rolle eines von drei Fischern an einem Voralpensee. Ihre Lebensgrundlage ist der Fischfang – je mehr Sie fangen, desto mehr verdienen Sie.

  • Der See startet mit 140 Tonnen Fisch
  • Maximale Kapazität: 150 Tonnen
  • Jede gefangene Tonne bringt 2.000 GE Verdienst
tuneIhre Entscheidung

In jeder Runde (= Fangsaison) entscheiden Sie, wie viel Prozent des aktuellen Fischbestands Sie fangen möchten.

  • Erlaubte Fangquote: 0% bis 25%
  • Alle drei Fischer entscheiden gleichzeitig
  • Die Entscheidungen werden erst danach aufgedeckt
syncDie Regeneration

Nach jeder Fangsaison vermehren sich die Fische – aber nicht linear! Die Wachstumsrate hängt vom verbleibenden Bestand ab:

Optimaler Bereich

98-100 Tonnen Restbestand

≈ +42 Tonnen Zuwachs

Hoher Bestand

130+ Tonnen

Geringer Zuwachs

Kritischer Bestand

Unter 10 Tonnen

Aussterberisiko!

warningDas Dilemma – Zwei Fallen

Das Fischereikonfliktspiel konfrontiert Sie mit einem ökologisch-sozialen Dilemma – einer Situation, in der individuell vernünftig erscheinendes Verhalten zu kollektiv schädlichen Ergebnissen führt. Zwei „Fallen" wirken dabei zusammen:

1
Die soziale Falle

Der Gewinn aus dem Fischfang kommt Ihnen persönlich zugute. Der Schaden durch Überfischung wird jedoch auf alle Fischer verteilt.

„Was kümmert mich, wenn der See weniger Fische hat? Ich habe meinen Gewinn bereits eingestrichen."

Soziale Falle Diagramm
2
Die Zeitfalle

Der Nutzen des Fischfangs ist sofort sichtbar. Die negativen Konsequenzen der Überfischung zeigen sich erst in der Zukunft.

„Warum sollte ich heute verzichten, wenn der Schaden erst morgen eintritt? Vielleicht finde ich bis dahin eine Lösung."

Zeitfalle Diagramm
error
Das Kernproblem: Wenn alle Fischer nur ihren kurzfristigen, individuellen Vorteil maximieren, führt dies zum Kollaps der Fischpopulation – und damit zum Verlust der Lebensgrundlage für alle.
school
Theoretischer Hintergrund
Die Tragödie der Allmende (Commons Dilemma)

Der Biologe Garrett Hardin prägte 1968 den Begriff der „Tragödie der Allmende". Er beschreibt damit Situationen, in denen mehrere Personen eine gemeinsame Ressource nutzen (z.B. eine Weide, einen Fischgrund, saubere Luft) und jeder Einzelne einen Anreiz hat, diese Ressource übermäßig zu nutzen.

„Freiheit in einer Allmende bringt allen den Ruin" – Garrett Hardin

Der Philosoph Whitehead sprach vom „erbarmungslosen Wirken der Dinge" – die Struktur solcher Situationen macht es extrem schwierig, durch guten Willen alleine zu einer nachhaltigen Lösung zu gelangen.

casinoSpieltheorie

Das Fischereikonfliktspiel basiert auf der Spieltheorie, die konflikthafte Situationen mathematisch analysiert. Anders als bei Nullsummenspielen (z.B. Schach) handelt es sich hier um ein Nicht-Nullsummenspiel: Der Gewinn des einen ist nicht automatisch der Verlust des anderen.

In solchen Situationen mit gemischten Motiven gibt es sowohl Anreize zur Kooperation als auch zur Konkurrenz – das macht die Entscheidungsfindung so komplex.

lockDas Gefangenendilemma

Das berühmte Gefangenendilemma illustriert das Grundproblem: Zwei Gefangene können entweder schweigen (kooperieren) oder den anderen belasten (defektieren). Für jeden Einzelnen ist Defektion die „sichere" Wahl – doch wenn beide defektieren, stehen beide schlechter da als bei gegenseitiger Kooperation.

Das Fischereikonfliktspiel erweitert dieses Prinzip auf drei Spieler und eine dynamische Ressource.

psychologySoziale Orientierungen

Menschen unterscheiden sich in ihren grundlegenden sozialen Orientierungen – ihren Präferenzen für die Verteilung von Gütern zwischen sich und anderen:

  • favorite
    Kooperativ

    Strebt nach gemeinsamem Gewinn. Berücksichtigt das Wohl aller Beteiligten und ist bereit, auf eigenen Vorteil zu verzichten, wenn es der Gruppe nützt.

  • person
    Individualistisch

    Fokussiert auf den eigenen Gewinn, unabhängig davon, wie es anderen ergeht. Weder absichtlich schädlich noch hilfsbereit gegenüber anderen.

  • emoji_events
    Kompetitiv

    Will besser abschneiden als andere. Der relative Vorteil gegenüber den Mitspielern ist wichtiger als der absolute eigene Gewinn.

  • volunteer_activism
    Altruistisch

    Stellt das Wohl anderer über den eigenen Vorteil. Bereit zu persönlichen Opfern, wenn es anderen oder der Gemeinschaft hilft.

psychology_alt
Psychologische Einflussfaktoren
lightbulb
Lösungsansätze
public
Reale Beispiele
emoji_objectsLernziele des Spiels

Das Fischereikonfliktspiel verfolgt drei zentrale Lernziele:

schema
Strukturen erkennen

Die formalen Strukturen von Dilemmata verstehen und in realen Situationen wiedererkennen können.

psychology
Prozesse verstehen

Die psychologischen Prozesse kennen, die zu problematischem Verhalten in Dilemmasituationen führen.

handshake
Lösungen entwickeln

Verschiedene Lösungsansätze kennen und ihre Anwendbarkeit kritisch einschätzen können.

menu_bookWissenschaftliche Grundlage

Diese Anwendung basiert auf dem Buch und den Forschungsarbeiten von:

Ernst, A. (1997). Ökologisch-soziale Dilemmata. Psychologische Wirkmechanismen des Umweltverhaltens.

Weinheim: Psychologie Verlags Union. (Reihe: Umweltpsychologie in Forschung und Praxis)

Das ursprüngliche Fischereikonfliktspiel wurde entwickelt von:

Spada, H. & Opwis, K. (1985). Die Allmende-Klemme: Ein umweltpsychologisches soziales Dilemma.

Forschungsbericht Nr. 22. Freiburg: Psychologisches Institut der Universität.

Diese digitale Adaption wurde für Lehrzwecke entwickelt und nutzt moderne Webtechnologien (ASP.NET Blazor, Three.js, SignalR) sowie KI-Unterstützung (OpenRouter).

Bereit, das Dilemma selbst zu erleben?

Starten Sie jetzt ein Spiel und finden Sie heraus, ob Sie und Ihre Mitspieler den Fischbestand nachhaltig bewirtschaften können.

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